Baugeschichte der Mathildenhöhe

Das Gelände, auf dem sich die Künstlerkolonie Mathildenhöhe mit dem Hochzeitsturm und den Ausstellungshallen befindet, wurde viele Jahrhunderte wegen seiner günstigen Lage als Weinberg genutzt. 
Um 1800 ließ Prinz Christian, der jüngere Bruder Ludwigs I., an dieser Stelle einen auch der Öffentlichkeit zugänglichen Park anlegen. Dieser ging anlässlich der Vermählung 1833 in den Besitz des Erbgroßherzogs Ludwig III. und seiner Gemahlin Mathilde über, nach der dieser später auch benannt wurde.
 Von dieser Parkanlage ist der Platanenhain mit seinen regelmäßigen Pflanzungen erhalten geblieben. Seit 1880 befindet sich das städtische Wasserreservoir auf dem höchsten Punkt der Anhöhe, und 1899 konnte die Russische Kapelle für Alexandra von Hessen und ihren Mann Nikolaus II., den letzten Zaren von Russland, eingeweiht werden,
 Großherzog Ernst-Ludwig (1868–1937) gründete im Juli 1899 die Künstlerkolonie. 

Der von ihm nach Darmstadt berufenen Künstlergemeinschaft stellte er die Parkanlage der Mathildenhöhe für eine Bebauung zur Verfügung. Gemeinsam mit ihm entwickelten die Künstler die Idee, die neu zu schaffende Kolonie mit ihren Bauten zum Objekt der ersten Großen Ausstellung auf der Mathildenhöhe zu machen mit dem Titel „Ein Dokument deutscher Kunst“ (Ausstellungseröffnung 15. Mai 1901).

 

Im „Darmstädter Tagblatt“ vom 7. und 8. März 1906 schrieb der Architekt Olbrich: „Die senkrechte Masse des Hochzeitsturms, verbunden mit den horizontal gelagerten Baukörpern des Ausstellungshauses, bilden dann die monumentale Einheit, die wie ein Wahrzeichen aus dem Stadtgebilde aufwächst. Aus der Ferne wie in der Nähe gesehen, erfülle diese eine Denkmalspflicht: Stumme, doch ewige Kunde zu geben von der Begeisterung einer Bürgerschaft zu einer Zeit frohester glücklichster Lebensfeier!“